Dienstag, 29. März 2011
Keine Gesundheitsgefahr aus Japan?
weathercat, 20:21h
Spärliche, widersprüchliche und wenig nachvollziehbare Infos aus dem japanischen möglicherweise-haben-wir-einen-GAU Kraftwerk sind wir nun schon gewöhnt. Die Katastrophe wird abgewiegelt und heruntergespielt. Auch unsere Politiker und "Experten" werden nicht müde, uns mitzuteilen, dass das Alles gar kein Problem ist. Schon gar nicht für uns hier in Deutschland oder generell in der EU.
Das Umweltinstitut München sieht das allerdings anders: Die EU hat "scharfe Kontrollen" für Lebensmittel aus Japan angekündigt. Aber: Vorher wurden klammheimlich die Grenzwerte angehoben - und zwar auf "Katastrophenniveau". Mit anderen Worten: Um im Falle eines nuklearen Unfalls die Ernährung sicher zu stellen, wurden nach Tschernobyl erhöhte Grenzwerte für den Ernstfall festgelegt. Diese sind nun in Kraft getreten - mehr dazu gibt es in einer Pressemeldung des Instituts gemeinsam mit Foodwatch: http://umweltinstitut.org/pressemitteilungen/2011/2011_03_29_2-865.html. Das Institut rät, keine Lebensmittel aus Japan innerhalb der EU zu verzehren.
Gut, dass es Menschen gibt, die die Augen und Ohren offen halten. Nur einen Kritikpunkt bleibt da noch: Wie hoch sind die Lebensmittel aus Japan denn belastet? Ist ein Pilz aus bayerischen Wäldern oder ein zünftiges Wildschwein nicht möglicherweise schlimmer? Auf der Suche nach Antworten bin ich übrigens - ganz am Rande - auf ein Schreibtalent des Bayerischen Landesamtes für Umwelt gestossen: http://www.lfu.bayern.de/strahlung/caesium_wildbret/wie_viel_essen/index.htm.
Nach der verwirrenden Lektüre der Webseite des Bayerischen Landesamtes für Umwelt wollte ich es jetzt doch etas genauer wissen: Wird es ein Abschied von Fischstäbchen und Teriyaki-Gerichten für immer und ewig? Ein Vergleich ermöglicht eine grobe Einschätzung. Im Jahr 2005 wurden in Bayern folgende Cäsium-Belastungen festgestellt:
Weidegras: 100 Bequerel pro kg
Kuhmilch: 0,6 Bequerel pro kg
Frischobst und Schalenobst: bis max. 7,5 Bequerel pro kg
Fleisch: max 0,9 Bequerel pro kg
Pilze, Preiselbeeren, Heidelbeeren: bis zu 1000 Bequerel pro kg (Maronenpilze stechen heraus mit bis zu 1000 Bequerel, der Rest bis zu 100 Bequerel)
Wildfleisch: Bis zu 1000 Bequerel pro kg (Wildschwein sticht mit bis zu 1000 Bequerel heraus, andere Wildsorten bis zu 100 Bequerel)
Fisch: Bis zu 100 Bequerel pro kg
Ein Kohlkopf in Tokio - also nicht aus dem Katastrophengebiet - wies am 24.03.2011 immerhin 890 Bequerel pro kg aus und lag damit schon über den hier normalerweise zulässigen Grenzwerten von 600 Bequerel pro Kilogramm. In einer Entfernung von 100 km vom Kraftwerk Fukushima Daiichi entfernt wurde Gemüse mit einer Cäsium-Belastung in Höhe von 1931 Bequerel pro kg gefunden.
Dass Lebensmittel aus der direkten Umgebung Fukushimas auch in die EU gelangen könnten, ist also eher nicht anzunehmen. Das wäre letztlich sogar eine massive Überschreitung der erhöhten Grenzwerte. Ob solche Lebensmittel möglicherweise trotzdem "durchrutschen" können, steht derweil auf einem anderen Blatt.
Der Trick mit den angehobenen Grenzwerten ist ja nicht wirklich kreativ oder neu. Dass man auf eine große Pressemitteilung zu diesem Thema verzichtet hat, versetzt wohl kaum jemanden in großes Erstaunen. Mein Lieblings-Japaner in Berlin verliert jetzt jedenfalls eine gute Kundin. Fischstäbchen gibt's aber auch in Zukunft auf meinem Teller.
Das Umweltinstitut München sieht das allerdings anders: Die EU hat "scharfe Kontrollen" für Lebensmittel aus Japan angekündigt. Aber: Vorher wurden klammheimlich die Grenzwerte angehoben - und zwar auf "Katastrophenniveau". Mit anderen Worten: Um im Falle eines nuklearen Unfalls die Ernährung sicher zu stellen, wurden nach Tschernobyl erhöhte Grenzwerte für den Ernstfall festgelegt. Diese sind nun in Kraft getreten - mehr dazu gibt es in einer Pressemeldung des Instituts gemeinsam mit Foodwatch: http://umweltinstitut.org/pressemitteilungen/2011/2011_03_29_2-865.html. Das Institut rät, keine Lebensmittel aus Japan innerhalb der EU zu verzehren.
Gut, dass es Menschen gibt, die die Augen und Ohren offen halten. Nur einen Kritikpunkt bleibt da noch: Wie hoch sind die Lebensmittel aus Japan denn belastet? Ist ein Pilz aus bayerischen Wäldern oder ein zünftiges Wildschwein nicht möglicherweise schlimmer? Auf der Suche nach Antworten bin ich übrigens - ganz am Rande - auf ein Schreibtalent des Bayerischen Landesamtes für Umwelt gestossen: http://www.lfu.bayern.de/strahlung/caesium_wildbret/wie_viel_essen/index.htm.
Nach der verwirrenden Lektüre der Webseite des Bayerischen Landesamtes für Umwelt wollte ich es jetzt doch etas genauer wissen: Wird es ein Abschied von Fischstäbchen und Teriyaki-Gerichten für immer und ewig? Ein Vergleich ermöglicht eine grobe Einschätzung. Im Jahr 2005 wurden in Bayern folgende Cäsium-Belastungen festgestellt:
Weidegras: 100 Bequerel pro kg
Kuhmilch: 0,6 Bequerel pro kg
Frischobst und Schalenobst: bis max. 7,5 Bequerel pro kg
Fleisch: max 0,9 Bequerel pro kg
Pilze, Preiselbeeren, Heidelbeeren: bis zu 1000 Bequerel pro kg (Maronenpilze stechen heraus mit bis zu 1000 Bequerel, der Rest bis zu 100 Bequerel)
Wildfleisch: Bis zu 1000 Bequerel pro kg (Wildschwein sticht mit bis zu 1000 Bequerel heraus, andere Wildsorten bis zu 100 Bequerel)
Fisch: Bis zu 100 Bequerel pro kg
Ein Kohlkopf in Tokio - also nicht aus dem Katastrophengebiet - wies am 24.03.2011 immerhin 890 Bequerel pro kg aus und lag damit schon über den hier normalerweise zulässigen Grenzwerten von 600 Bequerel pro Kilogramm. In einer Entfernung von 100 km vom Kraftwerk Fukushima Daiichi entfernt wurde Gemüse mit einer Cäsium-Belastung in Höhe von 1931 Bequerel pro kg gefunden.
Dass Lebensmittel aus der direkten Umgebung Fukushimas auch in die EU gelangen könnten, ist also eher nicht anzunehmen. Das wäre letztlich sogar eine massive Überschreitung der erhöhten Grenzwerte. Ob solche Lebensmittel möglicherweise trotzdem "durchrutschen" können, steht derweil auf einem anderen Blatt.
Der Trick mit den angehobenen Grenzwerten ist ja nicht wirklich kreativ oder neu. Dass man auf eine große Pressemitteilung zu diesem Thema verzichtet hat, versetzt wohl kaum jemanden in großes Erstaunen. Mein Lieblings-Japaner in Berlin verliert jetzt jedenfalls eine gute Kundin. Fischstäbchen gibt's aber auch in Zukunft auf meinem Teller.
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